frisches Artischocken Risotto oder: wieviel Glück passt auf einen Teller?

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Zugegeben: ich mache es mir mit meinen absoluten Lieblingsgemüsen nicht sehr leicht. Während ich mich an Artischocken und Zucchiniblüten in meiner Zeit in Italien in Hülle und Fülle erfreuen konnte, ist es hier in Deutschland oft schwer bis fast unmöglich diese beiden Schätze in vergleichbarer Qualität zu finden.

Umso glücklicher, ja gar vor Freude strahlender war ich, als ich vor ein paar Tagen wirklich wunderschöne, frische kleine Artischocken entdeckt habe. Und das tatsächlich an genau dem Tag, an dem ich einen Artikel darüber las, dass der Start der Artischocken Saison in Italien ja gerade in den Startlöchern stünde. „Oh weh, ich muss bald mal wieder nach Italien, eine schöne Artischocke „alla romana“ würden mich grad auch richtig glücklich machen“, dachte ich noch, nur um ein paar Stunden später im Gemüseladen um die Ecke selbst fündig zu werden. Manchmal liegt das (essbare) Glück wohl doch ganz nah.. 😉

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten diese wunderschöne Zauberfrucht zuzubereiten; mein Rom-Herz und ich haben sie aber klassisch auf römische Art zu- und dann zu einem Risotto weiterverarbeitet.

Für die „carciofi alla romana“ gibt es mit Sicherheit genau so viele Rezepte wie italienische Mamas, die sie zubereiten; meine Art, die ich in Rom kennengelernt habe, ist also mit Sicherheit nur eine von vielen.

Das Rezept ist für 5-6 kleine Artischocken für 4 Personen. Solltet ihr einen ausreichend großen Kochtopf zu Verfügung haben, würde ich euch aber wärmstens empfehlen ein paar mehr zuzubereiten. Sie schmecken einfach mehr als fantastisch, ob einfach so oder weiterverarbeitet als leckeres Nudelgericht (welches ich euch auch in der nächsten Zeit noch vorstellen werde) oder oder oder.

Da ich zum cremigen, schlotzigen Risotto immer gern ein kleines Topping anderer (also am besten knuspriger) Konsistenz habe, gab es bei mir gestern noch ein paar Vollkorn-Crouton-Krümel on top. Da passen aber natürlich auch Speckwürfel oder (Gemüse-)Chips oder jeglich anders crunchiges Zeugs! In meiner Variante (da auch der Parmesan hier nur optional ist) wäre der Risotto sogar für die Veganer unter uns geeignet!

Ich drücke euch alle Daumen, die mir zur Verfügung stehen, dass auch euch bald ein paar nette kleine Artischöckchen über den Weg laufen, ausgestattet mit nur einer Mission: glücklich machen!

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Für 4 Personen:

Carciofi alla romana:

  • kleine, frische Artischocken (5-6, am besten mit noch langem Stiel!)
  • Zitrone, bio (1)
  • Knoblauchzehen (6)
  • Olivenöl (100 ml)
  • glatte Petersilie (3 Stengel)
  • Salz

Risotto:

  • Risottoreis: Arborio oder Carnaroli (400g)
  • Zwiebeln (3)
  • Weißwein (250 ml)
  • Artischockenfond, hergestellt durch das Kochen der Artischocken (1 l)
  • Salz, Pfeffer
  • Butter, Öl oder Margarine (zum Anbraten)
  • Parmesan (optional)

Brotkrümel:

  • Brotscheiben, was ihr so da habt (2)
  • Olivenöl zum Anbraten
  • Salz

Als erstes reibt ihr die Schale der Biozitrone. Dann füllt ihr einen großen Topf mit Wasser und gebt die 100ml Öl, die Petersilie, die Zitronenschale und den Saft einer halben Zitrone hinzu. Nun kann es an das Putzen der Artischocken gehen.

Wichtig direkt zu Beginn: jede Schnittfläche sofort mit der noch übrigen Zitronenhälfte abreiben! Die Artischocken werden sonst ruckzuck braun und immer bitterer!

Nachdem ihr die Artischocken gut gewaschen habt,nehmt ihr euch eine Artischocke zur Hand, trennt, wenn sie sehr lang sind, einen Teil des Stiels ab (an jeder Artischocke sollten nach Möglichkeit noch 4-5 cm Stiel dranbleiben) und schneidet ca. 1/2-2/3 des oberen Teils der Artischocke  (also die Spitzen der Blätter) ab. Gebt die abgeschnittenen Artischockenblätter mit zum Auskochen in den großen Topf. Entfernt nun mit den Händen oder mithilfe eines Messers die äußeren dunklen und harten Blätter und schält den Stiel. Die Artischocke sollte danach ungefähr so aussehen (nur mit längerem Stiel 😉 ):

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Hier sieht man gut, wie die unteren harten Teile der Blätter mit einem Messer

Hier sieht man gut, wie die unteren harten Teile der Blätter mit einem Messer „weggeschält“ werden

Drückt die Artischocke nun in der Mitte etwas auseinander und entfernt mit einem kleinen Löffel das innenliegende Heu. Das sind alle die kleinen weichen Fasern, die so anders ausschauen als die restlichen Blätter 😉

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Nicht vergessen: immer alle neuen Schnittflächen ordentlich mit Zitrone einreiben!

IMG_6635Nun gebt ihr auch die geputzte Artischocke in den Kochtopf.

Verfahrt so mit allen Artischocken. Am Schluss schält ihr noch die abgeschnittenen Stiele und die Knoblauchzehen und gebt sie mit einer ordentlichen Portion Salz (am besten so viel, dass es euch fast versalzen vorkommt) in den Kochtopf.

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Bringt nun alles auf dem Herd auf höchster Stufe zum Kochen. Sobald das Wasser Blasen wirft, die Temperatur ein klein wenig reduzieren und nun 35-40 Minuten kochen lassen.

In der Zwischenzeit (wenn ihr so wie ich einen Risotto zubereiten wollt) die Zwiebeln kleinschneiden.

Danach alles in ein Sieb abgießen. Wichtig: unbedingt (!) ein großes Gefäß unterstellen um den Artischockenfond aufzufangen! Er ist unheimlich aromatisch und hat all die guten Geschmacksstoffe der Blätter aufgefangen, die sonst nur weggeschmissen worden wären!

Nachdem ihr das Gemüse ein wenig habt abkühlen lassen, sucht aus der Masse die 5-6 Artischocken, die Stiele und wenn möglich -und sie noch nicht ganz verkocht sind- die Knoblauchzehen heraus. Die restlichen Blätter können entsorgt werden.

Zerbröselt das Brot in kleine Stücke und röstet es in einer Pfanne mit Olivenöl an bis es knusprig ist.

Sucht euch die schönsten 4 Artischocken aus und stellt sie beiseite. Schneidet nun die restlichen 1-2 Artischocken und die Stiele klein. Dünstet die Zwiebeln und die gekochten Knoblauchzehen im Fett eurer Wahl an, gebt die kleingeschnittenen Artischocken und den Reis hinzu und lasst alles ein wenig weiter dünsten. Kurz bevor der Reis anzubrennen scheint löscht ihr alles mit dem Weißwein ab.

Nun heißt es: rühren, rühren, rühren! Beim Risotto kommt es darauf an immer nur kleine Mengen an Flüssigkeiten zum Reis hinzuzufügen und dann so lange zu rühren bis diese verkocht ist. Gebt also nach und nach, kellenweise den Artischockenfond zum Reis.

Bis alles verkocht und der Reis ausreichend gegart ist, kann es schon mal 30 Minuten dauern. Risotto sollte im Gegensatz zu Milchreis nicht ganz matschig gekocht sein, sondern im Kern immer noch einen leichten Biss haben. Probiert zwischendurch einfach mal, um zu prüfen, ob die perfekte Garstufe schon erreicht ist.

Zum Ende den Risotto noch mit Salz und Pfeffer abschmecken. Meist brauche ich hier gar kein Salz mehr, da der Fond schon sehr viel Würze an den Reis gebracht hat.

Richtet nun den Risotto auf Tellern an, streut die Brotknusperkrümel drüber und setzt zu guter Letzt eine der zur Seite gestellten Artischocken so auf den Reis, dass der Stiel nach oben zeigt. Wer mag bestreut das Ganze nun noch mit ein wenig geriebenem Parmesan.

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BUON APPETITO!

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4 Gedanken zu “frisches Artischocken Risotto oder: wieviel Glück passt auf einen Teller?

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